Rezensionen


 

 


Meine Damen und Herren, für Frankfurt ist alles vorbereitet. Es wird die größte Präsentation polnischer Kultur im Ausland aller Zeiten. So viele polnischen Autoren haben sich noch nie an einem Ort getroffen. Zwei Nobelpreisträger auf einmal werden die Veranstaltung eröffnen. Das hat es noch nie gegeben. Ich sehe genau, wie Czes³aw Mi³osz und Wis³awa Szymborska auf der Brücke über die Magistrale das goldene Band durchschneiden, im Lichthof der Lenné-Passagen hängen große Plakate mit polnischen Gedichten, überall Schaulustige, Fotografen. Literaria ist eröffnet. Stasiuk, die Tokarczuk und Herr Chwin stehen ganz vorn und klatschen. Gleich dahinter Zagajewski, Ró¿ewicz, Nurowska. Herling blickt skeptisch drein. Karl Dedecius steht etwas abseits und freut sich.
Herr Wojciechowski gibt irgendwo ein Interwiew. Adam Mickiewicz wird per Hubschrauber auf die Brücke hinuntergelassen und hisst die polnische Nationalflagge.
Wieder eingenickt. Wo sind wir? Ach im Polnischen Kulturinstitut in Berlin. Auf der Pressekonferenz zur Frankfurter Buchmesse. Es ist gestern Nacht doch etwas zu lang geworden. Aber die Mitteilungen zu Literaria mußten raus, wir wollten sie heute unbedingt unter die Materialien zur Buchmesse schmuggeln. Denn wenn Polen Messeschwerpunkt am Main ist, müssen wir uns in Frankfurt (Oder) auch zu Wort melden. Schliesslich sind wir näher dran. An Polen.
Der Apfel ist die polnischste aller Früchte. Und er hat so viele Bedeutungen. Deshalb haben wir ihn zum Symbol der polnischen Literatur gewählt. Der polnische Regierungsbeauftragte Nowakowski hat einige Schwierigkeiten, den roten Apfel mit der Aufschrift Poland, Pologne, Polska, Polen auf dem riesigen Plakat zur Frankfurter Buchmesse anzupreisen. Er sitzt mit offenem Schnürsenkel da und räkelt sich auf seinem Stuhl. Alles, was er beschreibt, ist groß, außerordentlich bedeutend und einmalig in der europäischen Kulturgeschichte. 
Immer mit dem Ziel, am Schluß die polnische Literatur auch zu verkaufen oder zumindest Polen will ja in die EU das Image des Landes aufzupolieren und es als eine alte und doch moderne Kulturnation zu verkaufen. Über Bücher kann man viel schreiben, man kann auch lange über sie reden, vielleicht kann man zu dem einen oder anderen Vers auch tanzen, oder einen Roman auf der Leinwand sehen, aber im Grunde genommen lebt die Literatur nur vom Lesen.
Deshalb haben sich Studenten der Europa-Universität über den Sommer ein druckfrisches Exemplar polnischer Literatur mit nach Rumänien, Ungarn oder Frankreich genommen, um Ihnen nun eine Empfehlung aussprechen zu können. Aber lesen Sie selbst!

Felix Ackermann