Rezensionen
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Piotr Siemion:
Picknick am Ende der NachtAndrzej Stasiuk:
Die Welt hinter DuklaHenryk Grynberg:
Drohobycz, DrohobyczRoma Ligocka:
Das Mädchen mit Rotem MantelCze³aw Mi³osz:
Hündchen am WegesrandRyszard Kapuœciñski:
Die Welt ist ein gewalttätiges ParadiesAleksander Wat:
Jenseits von Lüge und WahrheitAdam Zagajewski:
Lachen und ZerstörungZbigniew Herbert:
Herrn Cogitos Vermächtnis, 89 GedichteMarek H³asko:
Die schönen ZwanzigjährigenHalina Poœwiatowska:
Erzählung für einen FreundWilhelm Dichter:
Rosenthals VermächtnisNatasza Goerke
Sibirische PalmeMarek £awrynowicz:
Der Teufel auf dem KirchturmKrzysztof Maria Za³uski:
Bodensee TryptychonGustaw Herling:
Welt ohne ErbarmenArtur Sandauer:
Der Tod eines LiberalenRyszard Krynicki:
Stein aus der neuen WeltAdam Zagajewski:
Ich schwebe über KrakauNatasza Goerke:
Abschied von PlasmaMa³gorzata Saramonowicz:
Die SchwesterW³odzimierz Kowalewski:
Rotes Haar, nachtsOlga Tokarczuk:
Ur- und andere ZeitenMaria Nurowska:
Tango für dreiJózef Ignacy Kraszewski:
Graf Brühl
Ein Schatz ?
Stellen Sie sich vor, Sie finden im Alltag versunken einen kleinen grünen Schrein. Sie wundern sich. Ein Schatz? Sie öffnen in der leisen Hoffnung, auf eine Kostbarkeit gestoßen zu sein, vorsichtig den Deckel. Doch nur Scherben. Lauter Scherben. Ein Spiegel muß hier zerbrochen sein. Einstmals.
Das kleine Bändchen Lachen und Zerstörung bietet dem Leser Einblick in die Gedankenwelt von Adam Zagajewski, der irgendwo zwischen Vergangenheit, Poesie und Leiden verloren scheint und doch nicht im Meer der Einsamkeit untergeht. Seine kurzen Prosastücke sind nicht Feuilleton und die Gedichte nicht Lyrik allein: Sie sind große Erzählung und bescheidene Poesie. Sie sind das Lebenszeichen eines Mannes, der im heute ukrainischen Lemberg geboren wurde, im Polen der Nachkriegszeit aufgewachsen ist und nun in Paris lebt. In den einzelnen Fragmenten geht Zagajewski dem Wesen der Dinge, der Geschichte, den Geheimnissen nach. Er fragt nach dem Sinn einer Niederlage, sucht nach einem Bahnhof, der Ankunft bedeutet, er will schreiben als Akt von Brüderlichkeit. Doch seine Welt erschließt sich erst im Ganzen, wenn man die Blitze im Adam Michnik gewidmeten Gedicht spürt, wenn man den Studenten einer Pariser Bibliothek zuschaut, wie sie sinnlos ellenlange Zitate abschreiben und wenn man die Ruinen einer zerknüllten Streichholzschachtel erblickt hat, die am Wegesrand liegt. Dies ist der Pfad des Reisenden, der immer unterwegs ist, der nach dem Moment der Erkenntnis weiter muß. Fort.
Die Scherben in der Truhe verkünden uns nichts, sie sind nur hingeworfen, zerbrochen. Man kann sich an ihnen schneiden, aber auch ein Stück seiner selbst erblicken. Und man ahnt, daß es keine Gewissheit gibt.
Das bei ROSPO erschienene Buch ist tatsächlich ein Schatz, fein gestaltet, mit zwei grünen Lesezeichen versehen, wunderbar von Henryk Bereska und Karl Dedecius übersetzt, und doch hinterläßt es graphisch einen zwiespältigen Eindruck: die Prosa klebt am äußeren Rand, die Lyrik hängt nach unten durch, gerade in der Widmung für Adam Michnik prangt ein Setzfehler. Doch jener “Mischnik“ ist auch Teil der Ironie, über die Zagajewski schreibt, sie sei gemeinsam mit der Ekstase ein Element der Poesie. Seine Ironie ist weise, und die Ekstase still. Man fragt sich, warum fast niemand Gedichte liest.
Felix Ackermann
Adam Zagajewski, Lachen und Zerstörung, aus dem Polnischen von Henryk Bereska und Karl Dedecius, ROSPO 1996, 32 DM