Rezensionen
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Piotr Siemion:
Picknick am Ende der NachtAndrzej Stasiuk:
Die Welt hinter DuklaHenryk Grynberg:
Drohobycz, DrohobyczRoma Ligocka:
Das Mädchen mit Rotem MantelCze³aw Mi³osz:
Hündchen am WegesrandRyszard Kapuœciñski:
Die Welt ist ein gewalttätiges ParadiesAleksander Wat:
Jenseits von Lüge und WahrheitAdam Zagajewski:
Lachen und ZerstörungZbigniew Herbert:
Herrn Cogitos Vermächtnis, 89 GedichteMarek H³asko:
Die schönen ZwanzigjährigenHalina Poœwiatowska:
Erzählung für einen FreundWilhelm Dichter:
Rosenthals VermächtnisNatasza Goerke
Sibirische PalmeMarek £awrynowicz:
Der Teufel auf dem KirchturmKrzysztof Maria Za³uski:
Bodensee TryptychonGustaw Herling:
Welt ohne ErbarmenArtur Sandauer:
Der Tod eines LiberalenRyszard Krynicki:
Stein aus der neuen WeltAdam Zagajewski:
Ich schwebe über KrakauNatasza Goerke:
Abschied von PlasmaMa³gorzata Saramonowicz:
Die SchwesterW³odzimierz Kowalewski:
Rotes Haar, nachtsOlga Tokarczuk:
Ur- und andere ZeitenMaria Nurowska:
Tango für dreiJózef Ignacy Kraszewski:
Graf Brühl
Das Jahrhundert im Sturzflug
Der Suhrkamp Verlag hat sich zum 50. Geburtstag ein besonderes Geschenk gemacht: Den Abschluss der Polnischen Bibliothek, gegründet und protegiert von Karl Dedecius, der für seine Verdienste 1999 mit dem Viadrinapreis ausgezeichnet wurde. Der 50. Band wird dieser Tage auf der Frankfurter Buchmesse vorgestellt: Aleksander Wats Erinnerungen Jenseits von Wahrheit und Lüge. Dieser letzte Band der ambitionierten Reihe ist ein besonderes Werk. Die Aufzeichnungen entstanden 1974 während langer Gespräche zwischen Wat und Czes³aw Mi³osz in der Emigration. Ein schweres Nervenleiden hielt den 1900 geborenen Wat vom Schreiben ab. Die gesprochenen Erzählungen bieten ein sehr lebendiges Bild der Erinnerung eines Mannes, der 1919 mit dem dadaistischen Büchlein ICH von der einen Seite und ICH von der anderen Seite meines mopseisernen Öfchens die literarische Bühne betrat. Wats Erinnerungen wirken manchmal wie atmosphärische Luftaufnahmen. Das aufstrebende, verrückte Warschau der 20er Jahre wird überflogen. Oft setzt der Autor zu Sturzflügen an – in die Abgründe seiner kommunistischen Verführung. So geht er Luftloch für Luftloch der Spur nach, wie er zum Redakteur der kommunistischen Literaturzeitschrift „Nowa Kultura“ wurde, die einer ganzen Generation von jungen Arbeitern und Studenten die kommunistische Idee glaubhaft gemacht hatte. Immer wieder schweift er ab, berichtet von Durchsuchungen der Polizei, Empfängen auf der sowjetischen Botschaft oder Besuchen in Berlin. Wat berichtet von den Auftritten Majakowskis in Warschau und erinnert sich an Friedrich Wolfs Aufenthalt auf der Durchreise in die sowjetische Emigration. Aber eben diese Details zeichnen ein genaues Bild des Geistes einer Epoche,
in der das Heraneilen des Stalinismus sowie des Faschismus bereits zu spüren waren.
Dieses Buch ist interessant für alle, die vor dem Hintergrund des Vorkriegs-Warschau einem großen Geist des 20. Jahrhunderts bei der Erinnerungsarbeit lauschen wollen.
Wat selbst scheint sich von dem Schock nie erholt zu haben, plötzlich zu verstehen, wofür er sich eingesetzt hatte. So taumelte er hinfort durch Südeuropa, landete in Kalifornien, wo er sich mit Mi³osz trifft, um alles festzuhalten und sicherlich auch, um sich zu befreien: Jenseits von Lüge und Wahrheit
Die Polnische Reihe hat einen würdigen Abschluss gefunden. Sie vereint, was sonst nicht zusammenzureihen ist, die sorgsam lektorierten Bücher sind eine Bastion des Wissens, die in keiner Bibliothek fehlen darf. Schade nur, daß gerade im 50. Band der Strich über dem „³” nicht stimmt.
Felix Ackermann
Aleksander Wat, Jenseits von Lüge und Wahrheit, aus dem Polnischen von Esther Kinsky, Suhrkamp 2000, ca. 58 DM