Rezensionen
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Piotr Siemion:
Picknick am Ende der NachtAndrzej Stasiuk:
Die Welt hinter DuklaHenryk Grynberg:
Drohobycz, DrohobyczRoma Ligocka:
Das Mädchen mit Rotem MantelCze³aw Mi³osz:
Hündchen am WegesrandRyszard Kapuœciñski:
Die Welt ist ein gewalttätiges ParadiesAleksander Wat:
Jenseits von Lüge und WahrheitAdam Zagajewski:
Lachen und ZerstörungZbigniew Herbert:
Herrn Cogitos Vermächtnis, 89 GedichteMarek H³asko:
Die schönen ZwanzigjährigenHalina Poœwiatowska:
Erzählung für einen FreundWilhelm Dichter:
Rosenthals VermächtnisNatasza Goerke
Sibirische PalmeMarek £awrynowicz:
Der Teufel auf dem KirchturmKrzysztof Maria Za³uski:
Bodensee TryptychonGustaw Herling:
Welt ohne ErbarmenArtur Sandauer:
Der Tod eines LiberalenRyszard Krynicki:
Stein aus der neuen WeltAdam Zagajewski:
Ich schwebe über KrakauNatasza Goerke:
Abschied von PlasmaMa³gorzata Saramonowicz:
Die SchwesterW³odzimierz Kowalewski:
Rotes Haar, nachtsOlga Tokarczuk:
Ur- und andere ZeitenMaria Nurowska:
Tango für dreiJózef Ignacy Kraszewski:
Graf Brühl
Bitte langsam lesen !
Als ich mir vornahm, Madame von Antoni Libera zu rezensieren, stellte ich mir eine herrliche Erholung vor. Mit Genuss erwartete ich den Beginn der Lektüre von Madame, da ich gut gemeinter Weise vorgewarnt wurde, dass dieses Werk so phantastisch sei, dass man sich nicht davon losreißen könne.
Genau so kam es auch. Ich las mit nur kleinen Unterbrechungen, ohne den Faden abreißen zu lassen. Für diese außerordentliche Anstrengung musste ich mit Augen- und Kopfschmerzen bezahlen, leichte Ermattung stellte sich ein (das Buch ist fast 500 Seiten dick!). Es stellt sich die Frage, ob Madame tatsächlich soviel Aufmerksamkeit verdient. Ohne mit der Wimper zu zucken, sage ich: Ja! Immer bleibt ein „aber“, ein Hauch der Unvollkommenheit, doch in diesem Fall nichts dergleichen.
Das Buch beginnt mit dem Satz: „Jahrelang verließ mich der Eindruck nicht, daß ich zu spät geboren war“. Ich liebe gute Anfänge, dieser ist wirklich ausgezeichnet. So beginnen die Erinnerungen des Erzählers von Madame, der mit 23 Jahren ein fiktives Tagebuch aus Zeit der Pupertät aufschreibt.
Wer ist der Protagonist? Lange kam in der polnischen Literatur nicht jemand so talentiertes und wenig banales vor. Er spielt Klavier und Schach, ist selten belesen und eloquent, er rezitiert Gedichte und schreibt selber, ja er improvisiert sogar. Die Handlung entwickelt sich an einem Liebesabenteuer, unser Protagonist verliebt sich in seine Französich-Lehrerin. Sie ist elegant, verhalten, unzugänglich, zielstrebig, standhaft und unbeschreiblich schön. Unser Protagonist unternimmt mutige Schritte, um sich der Angebeteten zu nähern. Er entflieht in die Literatur, Poesie, bildende Kunst und bringt seine Liebe in Schulaufsätzen zum Ausdruck. Das gnaze wird hervorragend beschrieben!
Libera konstruiert meisterhaft literarische Rätsel und Labyrinthe. Er verwendet in seinem Roman viele Fragmente aus Werken anderer Schriftsteller. Sie schaffen die Atmosphäre des Buches und geben den Verlauf der Dinge vor.
Oft wurde dem Autor des Romans unterstellt, er habe ein Tagebuch oder vielmehr einen autobiographischen Roman geschrieben. Libera hingegen meint, dass nur die Erfahrung Wahrheit in sich birgt. Die Erzählperspektive in Madame ist keine konventionelle, sondern eine schreibende. Er schreibt alles als Prosa nieder und hat vor, es zu veröffentlichen, was einer Fiktion im Quadrat entspricht, obwohl sie sehr wahrheitsgetreu und realistisch wiedergegeben wird: mit Dutzenden Details, wie z.B. den Buchpreisen im Warschau der 60er Jahre, der Phase des Erblühens der Volkrepublik Polen.
Libera zieht den Leser schnell und intelligent in den Bann seiner Geschichte. Unklar bleibt, in welchem Moment wir bemerken, dass wir mit angehaltenem Atem jeden Schritt des Protagonisten verfolgen und mit Schrecken dem Ende des Buches entgegensehen. Aber ich warne vor einem allzu raschen Verschlingen des Buches. Ich spüre, dass mir trotz aller Bemühungen in diesem Wie-wird-es-weitergehen-Rausch etwas Wichtiges entgangen ist. So komme ich zu dem Schluss, dass die Lektüre von Madame wohldosiert, wohlportioniert und geruhsam zu genießen ist: Kapitel für Kapitel. Botschaft für Botschaft. Eine solche Fähigkeit und Reife in der Lektüre wünsche ich jedem Leser.
Jolanta GaMbuœ
Übersetzung:
Felix Ackermann
Antoni Libera, Madame,
aus dem Polnischen von Karin Wolff, dtv 2000, 32 DM