Rezensionen
![]()
Piotr Siemion:
Picknick am Ende der NachtAndrzej Stasiuk:
Die Welt hinter DuklaHenryk Grynberg:
Drohobycz, DrohobyczRoma Ligocka:
Das Mädchen mit Rotem MantelCze³aw Mi³osz:
Hündchen am WegesrandRyszard Kapuœciñski:
Die Welt ist ein gewalttätiges ParadiesAleksander Wat:
Jenseits von Lüge und WahrheitAdam Zagajewski:
Lachen und ZerstörungZbigniew Herbert:
Herrn Cogitos Vermächtnis, 89 GedichteMarek H³asko:
Die schönen ZwanzigjährigenHalina Poœwiatowska:
Erzählung für einen FreundWilhelm Dichter:
Rosenthals VermächtnisNatasza Goerke
Sibirische PalmeMarek £awrynowicz:
Der Teufel auf dem KirchturmKrzysztof Maria Za³uski:
Bodensee TryptychonGustaw Herling:
Welt ohne ErbarmenArtur Sandauer:
Der Tod eines LiberalenRyszard Krynicki:
Stein aus der neuen WeltAdam Zagajewski:
Ich schwebe über KrakauNatasza Goerke:
Abschied von PlasmaMa³gorzata Saramonowicz:
Die SchwesterW³odzimierz Kowalewski:
Rotes Haar, nachtsOlga Tokarczuk:
Ur- und andere ZeitenMaria Nurowska:
Tango für dreiJózef Ignacy Kraszewski:
Graf Brühl
Danziger Bruchstücke
Pawel Huelle wurde in den 80er Jahren bekannt. Der 1957 in Danzig geborene Autor arbeitete zunächst als Journalist für Solidarnoœæ und veröffentlichte 1987 seinen ersten Roman Weiser Dawidek. Dieses Buch erzählt vom Verschwinden des jüdischen Jungen Dawid Weiser im Danzig der 50er Jahre aus der Sicht seines Freundes, einem Kind. Das Werk rief speziell in Fachkreisen Überlegungen zur Wahrnehmungsfähigkeit eines Kindes hervor. In Polen wurde es zu einem Publikumserfolg und in der Folge in zahlreiche Sprachen übersetzt.
Immer wieder wurde Huelle mit Günter Grass verglichen, dessen Danziger Trilogie ebenfalls in der Hansestadt spielt und der aus der Perspektive eines Kindes oder zumindest Nicht-Erwachsenen schreibt. Ebenso wurden Parallelen zu dem polnischen Lyriker Zbigniew Herbert gezogen. An Herbert nähert sich Huelle vor allem mit seinen späteren Werken Schnecken, Pfützen, Regen (1992) und Verschollene Kapitel (1992) an.
Im Jahr 1996 erschien sein Erzählband Pierwsza mi³oœæ i inne opowiadania, der im Juli 2000 unter dem Titel Silberregen in Deutschland veröffentlicht wurde. In diesem Band mit sieben Erzählungen beschreibt Huelle wiederum Personen aus der Stadt Danzig, eingebettet in die wechselvolle Geschichte des 20. Jahrhunderts. Huelle versucht, eine „Untergegangene Welt zu beschreiben“. Das Motiv der Vergänglichkeit zieht sich wie ein Leitfaden durch das Buch und könnte durch den Silberregen symbolisiert werden. In der gleichnamigen Erzählung Silberregen aus dem Band geht es beispielsweise um eine Münzsammlung des Herrn Winterhaus. Diese Sammlung hatte dieser vor seiner Flucht aus Danzig nach dem Zweiten Weltkrieg in einem Küchenschrank versteckt. Bis sein Sohn, der jüngere Winterhaus, die Münzen bei einer Reise nach Danzig in jenem Küchenschrank aufspürt. Nun will die pikante Frage des Eigentums gelöst werden. Nach einem zögernden Kennenlernen der neuen Bewohner des Hauses mündet die Szene in einer turbulenten Bootsfahrt, bei der das Boot kentert und die Insassen, nachdem sie die Münzen gerecht unter sich aufgeteilt hatten, ihren frisch erworbenen Schatz unfreiwillig dem Fluß vermachen. Huelle operiert in dieser Erzählung mit einigen Rückblenden, was eine Leseerfahrung auf verschiedenen Zeit- und Handlungsebenen ermöglicht. Oft schildert der Autor dabei Geschehnisse aus dem Zweiten Weltkrieg.
Pawel Huelle liefert in seinem Erzählband Silberregen ein vielschichtiges und literarisch anspruchvolles Werk.
Melanie Groeneveld
Pawel Huelle, Silberregen,
aus dem Polnischen von Renate Schmidgall, Rowohlt Berlin 2000, 36 DM