Rezensionen


 

Piotr Siemion:
Picknick am Ende der Nacht

Olga Tokarczuk:
Der Schrank

Andrzej Stasiuk:
Die Welt hinter Dukla

Stefan Chwin:
Tod in Danzig

Pawel Huelle:
Silberregen

Henryk Grynberg:
Drohobycz, Drohobycz

Roma Ligocka:
Das Mädchen mit Rotem Mantel

Cze³aw Mi³osz:
Hündchen am Wegesrand

Ryszard Kapuœciñski:
Die Welt ist ein gewalttätiges Paradies

Aleksander Wat:
Jenseits von Lüge und Wahrheit

Adam Zagajewski:
Lachen und Zerstörung

Zbigniew Herbert:
Herrn Cogitos Vermächtnis, 89 Gedichte

Marek H³asko:
Die schönen Zwanzigjährigen

Halina Poœwiatowska:
Erzählung für einen Freund 

Wilhelm Dichter:
Rosenthals Vermächtnis

Witold Horwath:
Séance

Magdalena Tulli:
In Rot

Natasza Goerke
Sibirische Palme

Marek £awrynowicz:
Der Teufel auf dem Kirchturm

Krzysztof Maria Za³uski:
Bodensee Tryptychon

Antoni Libera:
Madame
 

Jerzy Pilch:
Andere Lüste

Gustaw Herling:
Welt ohne Erbarmen

Artur Sandauer:
Der Tod eines Liberalen

Ryszard Krynicki:
Stein aus der neuen Welt

Adam Zagajewski:
Ich schwebe über Krakau

Natasza Goerke:
Abschied von Plasma

Ma³gorzata Saramonowicz:
Die Schwester

W³odzimierz Kowalewski:
Rotes Haar, nachts

Olga Tokarczuk:
Ur- und andere Zeiten

Maria Nurowska:
Tango für drei

Stefan Chwin:
Die Gouvernante

Józef Ignacy Kraszewski:
Graf Brühl

 


Im zeitlosen Raum

Zbigniew Herbert ist einer der bekanntesten und am häufigsten übersetzten polnischen Schriftsteller der Gegenwart. Er erhielt mehrere internationale Auszeichnungen für sein literarisches Werk, blieb jedoch immer eng mit seinem Heimatland Polen verbunden. In dem Gedichtband Herrn Cogitos Vermächtnis erscheinen einige seiner Gedichte neu überarbeitet, andere zum ersten Mal in der deutschen Übersetzung. 
Herbert schreibt über den Krieg und gegen den Krieg, über den Menschen und das Menschsein, über Werte und Verluste, über die Liebe und über den Sinn für die Schönheit des Lebens. Er vereint Realität und Phantasie, Gefühl und Verstand, Ideal und Konfrontation, ohne jedoch den unmittelbaren Bezug zur Wirklichkeit zu verlieren. Von Gedicht zu Gedicht schwingt die Frage nach dem Sinn der Dinge mit. Alles hat eine Bedeutung. Das zeitgeschichtliche Ereignis hinterläßt seine Spur in den alltäglichen Begebenheiten, und beide sind vielleicht mehr als nur Anfang oder Ende oder das Glied einer Kette. 
Der Gegenstand wird lebendig. Herbert läßt in den Gesichtern der Natur den menschlichen Charakter entstehen und scheint dabei aus den tiefen Urgründen der Welt nach Inspiration zu schöpfen. Er schreibt in einer wunderbar bildhaften Sprache; die Tiefe seiner Gedanken findet Bestätigung im Schauspiel seiner Kompositionen. Trotzdem bleibt das Ziel fast immer in weiter Ferne.

wache - wenn lichtzeichen auf den bergen erscheinen
stehe auf und gehe
solange das blut in der brust deinen dunklen stern bewegt.

Die Gedichte sprechen aus sich selbst heraus, vom Menschen in den Menschen; die Stimme, der Erzähler und das Selbst bewegen sich im zeitlosen Raum. Viele Momentbeschreibungen, Monologe und Lieder erleuchten die Idee von der Würde des Lebens und der Freude an der Schönheit der Dinge. Herbert zeigt eine große Fähigkeit zur Verwunderung, und regt dadurch oder gerade deshalb den Leser zum Staunen an. Jedes seiner Gedichte erzählt eine kleine Geschichte, manchmal mythisch, manchmal verwirrend, manchmal eine Antwort rufend oder dann in der Frage verharrend. Die Einzigartigkeit des Einzelnen steht dem Sinnzusammenhang des vollkommen Ganzen gegenüber. Kann sich der Mensch zur Größe der Welt aufschwingen? Will er das überhaupt? Herbert sucht die Selbstverständlichkeit zu ermüden, jedem Ereignis einen höheren Sinn zu geben. 
Das Bewusstsein darf sich niemals zur Ruhe begeben, denn nichts geschieht zufällig und ohne Wirkung. Der Mensch kann ein Zahnrad in der Maschine sein aber auch ebenso ein aktiv handelndes Wesen. Denn „niemals habe ich an den geist der geschichte geglaubt...“ 
Herbert lässt die Konsequenz offen; Ideal, Wirklichkeit und Illusion muss man selbst voneinander trennen. 

Katrin Dehlan 

Zbigniew Herbert, Herrn Cogits Vermächtnis, 89 Gedichte, aus dem Polnischen von Karl Dedecius, Oskar Jan Tauschinski, Klaus Staemmler, Suhrkamp 2000, 38 DM