Aktuelles

 

helga hirsch - ich habe keine schuhe nicht

Vorwort

"Wie weit sind wir geformt und festgelegt durch Eltern, Familie, Nation? Und wie weit sind wir frei, zusätzlich oder gar statt dessen, uns anders und neu zu definieren? Wie weit sind wir im Alten verhaftet und wie weit übernehmen wir nach Emigration oder Wechsel der Nationalität und Religion die neue Identität?


„Ich habe keine Schuhe nicht“ – an diesen Satz aus seiner Kindheit erinnert sich Jerzy Hauptmann in der gleichnamigen Geschichte. So sprachen Deutsche im Lodz der Vorkriegszeit. Sie mischten die deutsche Muttersprache mit polnischen Wörtern und sogar – wie hier mit der doppelten Verneinung – mit polnischer Syntax. Denn selbst, wenn der deutsche Handwerksmeister eine deutsche Protestantin heiratete, wenn er dem deutschen Männergesangverein beitrat, im deutschen Sportverein spielte und eine deutsche Zeitung las, so schlichen sich doch nach zwei, drei Generationen im Lodzer Vielvölkergemisch unvermeidlich Versatzstücke der fremden in die eigene Sprache ein.
Vielen seiner damaligen Bewohner erscheint das multi-ethnische Lodz heute als „gelobtes Land“, als sehnsuchtsvolle Erinnerung, als verlorenes Paradies, obwohl es sicher nicht frei von Spannungen war. Manche erträumen es sogar als Vorbild für eine multikulturelle Welt der Zukunft. Bei Ausbruch des Ersten Weltkriegs war jeder Zweite ein Pole, jeder Dritte ein Jude und die Deutschen, obwohl prozentual gegenüber der Mitte des 19. Jahrhunderts bereits stark abgefallen, bildeten immerhin noch knapp ein Viertel unter den Einwohnern der Stadt. Lodz galt als vitaler, vielseitiger Schmelztiegel verschiedener Ethnien, verschiedener Religionen, verschiedener Sprachen. So malt es das Gedächtnis vieler ehemaliger Einwohner.

Dieses Zusammenleben von Polen, Juden und Deutschen wurde vom Einzelnen jedoch nicht nur als bereichernd empfunden. Manchmal erschien es ihm auch bedrohlich, weil es die eigene Identität gefährdete. Man achtete deshalb auch auf Abstand und so wurde die multi-ethnische Gemeinschaft vor allem durch ein Nebeneinander und nicht durch ein Miteinander geprägt.
Es war verpönt, der eigenen Nationalität und Religion den Rücken zu kehren, den Glauben zu wechseln und als Deutscher eine Polin oder als Jüdin einen Polen zu heiraten. Ein Goj in einer jüdischen Familie? Eine Katholikin im evangelischen Milieu? Das galt lange als Verrat an der Herkunftsfamilie und der eigenen Minderheit. Nur unter den reichen Fabrikantenfamilien von Lodz waren Mischehen keine Seltenheit. So wählte der deutsche Industrielle Leon Grohman die polnische Schauspielerin Alicja Debicka zu seiner Ehefrau und Robert Geyer, obwohl aus einer der ersten und erfolgreichsten deutschen Fabrikantendynastien, die den Ruf von Lodz als „polnischem Manchester“ begründeten, verstand sich mehr als Pole denn als Deutscher und engagierte sich entsprechend in Unternehmerkreisen des 1918 wieder erstandenen Polen. Wahrscheinlich wurde er deswegen kurz nach der Besetzung der Stadt im Dezember 1939 von den Deutschen erschossen: Wer nicht für die deutsche Besatzungsmacht war, musste gegen sie sein. Eine Ambivalenz des Zugehörigkeitsgefühls wurde nicht mehr geduldet. Der Krieg und die Demagogen kannten nur noch ein Entweder - Oder.
Das friedliche Nebeneinander war bereits seit Ende des 19. Jahrhunderts zunehmend in Gefahr geraten. Denn der polnische Wunsch nach Unabhängigkeit hatte sich immer stärker an der Germanisierungspolitik der preußisch-deutschen Teilungsmacht gerieben: An Bismarcks Kulturkampf, der die Polen im preußischen Teilungsgebiet zu loyalen, deutsch sprechenden preußischen Staatsbürgern machen sollte. Vom deutschen „Drang nach Osten“ war in polnischer Literatur und Publizistik immer öfter und radikaler zu lesen, von einer „deutschen Sintflut“ und dem „deutschen Erbfeind“. Und nach der Wiederentstehung des polnischen Staates 1918/19 sollte der Einfluss der deutschen Minderheit möglichst begrenzt werden, denn ein grundsätzliches Misstrauen hatte sich verfestigt: wie weit war ihrer Loyalität gegenüber dem polnischen Staat zu trauen? Als Hitler 1933 die Macht ergriff, drangen Polen am „Schwarzen Palmsonntag“ in deutsche Einrichtungen in Lodz ein und demolierten das deutsche Gymnasium, einen deutschsprachigen Verlag und die Redaktion der Tageszeitung „Freie Presse“. Vor dem Hintergrund von Hitlers Gebietsansprüchen und der wachsenden Kriegsgefahr gerieten tendenziell alle Deutsche bei ihren polnischen Nachbarn in den Verdacht, „hitlerowcy“ zu sein: eine fünfte Kolonne, die im Land des Feindes mit den Nationalsozialisten kollaborierte. Folgerichtig ließ die polnische Regierung die Elite der deutschen Minderheit kurz vor Ausbruch des Zweiten Weltkriegs verhaften und internieren. Objektiv betrachtet eine ungerechte Überreaktion angesichts der vielen Tausend Deutscher, die sich loyal gegenüber dem polnischen Staat verhielten und sogar als Soldaten des polnischen Militärs gegen die deutsche Wehrmacht in den Krieg zogen. Subjektiv für uns vielleicht nachvollziebhar, seitdem wir nach dem Anschlag auf das World Trade Center selbst spürten, wie schnell die Angst vor den islamistischen Terroristen sich als Unbehagen und Misstrauen gegenüber jedem Araber äußert, der mit uns in ein Flugzeug einsteigt.
Dass das friedliche Zusammenleben zwischen verschiedenen Nationalitäten sorgfältig ausbalanciert sein will und die friedliche Koexistenz auch im Europa des ausgehenden 20. Jahrhunderts keine Selbstverständlichkeit ist, wissen wir spätestens seit den Kriegen im zerfallenden Jugoslawien. Auch heute erwarten Nationalstaaten in Krisenzeiten eine unbedingte Zugehörigkeit und nationale Loyalität, die dem Selbstverständnis des Individuums zuwider laufen können. Auch heute dämonisieren sie den Gegner, wenn sie sich bedroht fühlen, angegriffen werden oder sich in einer Phase starker politischer Verunsicherung befinden. Dann erklären sie den Anderen, den Fremden, den Angehörigen der anderen Nationalität oder Religion generell zur Inkarnation des Bedrohlichen und Bösen und erlauben keine Prüfung des Einzelfalls nicht mehr. Ist erst ein bestimmter Grad von Zuspitzung erreicht – das zeigte Jugoslawien – versagen fast alle Möglichkeiten politisch-rationaler Einflussnahme. Dann werden, angeheizt von nationalistischen Demagogen, nur noch tief verwurzelte Ängste ausagiert, die eine Differenzierung, eine Prüfung des Einzelfalls nicht mehr zulassen. Dann gibt es nur noch den Antagonismus der Serben gegen die Kroaten und Albaner, der Albaner und Kroaten gegen die Serben, der „Wir-Gruppe“ gegen die „Sie-Gruppe“.
Der Journalist Gojko Beric hat diese Haltung, die die unbedingte Loyalität zur nationalen Herkunftsgruppe unterstellt bzw. erwartet, aufgrund eigener Erfahrung anschaulich beschrieben. Beric stammt aus einer serbischen Familie, verbrachte aber sein ganzes Leben unter Kroaten und Bosniern und fühlte sich nach eigenen Angaben als Kosmopolit. Solange in Jugoslawien die verschiedenen Nationalitäten friedlich zusammen lebten, gab es bei ihm zwischen Selbst- und Fremdwahrnehmung keine erkennbaren Widersprüche. Nach der serbischen Aggression gegenüber Kroatien aber änderte sich dies fundamental. Beric konnte sich nicht mehr außerhalb der ethnischen Gruppen ansiedeln. Den Freunden im kroatischen Dubrovnik galt er ebenso wie seinen bosnischen Nachbarn aus dem Wohnblock in Sarajevo nur noch als „der Serbe”. Die Serben hingegen verurteilten ihn, da er sich in Artikeln gegen die Bombardierung von Dubrovnik und später von Sarajevo aussprach, als Verräter, der dem eigenen Volk in den Rücken falle. Es gab, urteilt Beric, nur noch die nationalistische Leitlinie: „Lieber mit meinem Volk auf der falschen Seite, als auf der richtigen Seite gegen mein Volk”.

Mit großem Erschrecken haben wir auf dieses unerwartete Wiederaufleben nationalistischer Denk- und Verhaltensweisen im Europa des ausgehenden zwanzigsten Jahrhunderts reagiert. Manche Publizisten suchten ihre innere Verunsicherung zu überwinden, indem sie das Ganze zu atavistischen Stammesfehden erklärten – eben zu Verhaltensweisen eines noch nicht aufgeklärten Balkan. Doch die Ursache dürfte weniger in mangelnder Aufklärung als in der menschlichen Psyche liegen.
Das Individuum sucht Sicherheit durch die Zugehörigkeit zu einer Gruppe. Und bis jetzt haben sich trotz Globalisierung und zunehmender internationaler Vernetzung ethnische, religiöse und nationale Zugehörigkeiten als tragende Bindeglieder zwischen den Mitgliedern von Großgruppen herausgestellt. Das Eine scheint das Andere sogar in gewissem Maß zu bedingen: Während internationale Organisationen und wirtschaftliche Kontakte rund um den Globus an Gewicht zunehmen, versichern sich die Bürger weiter der kulturellen, religiösen, mentalen Geborgenheit in ihren ethnischen und religiösen Gruppen: in Großgruppen, in denen sich das Individuum – so sagt es der Psychoanalytiker Vamik Volkan – mit den anderen durch ein „dauerndes Gefühl des Gleichseins“ verbunden fühlen kann.
Bestimmte Symbole, Rituale, Geschichten, Sitten, die eine jeweilige ethnische Gruppe kennzeichnen und von anderen unterscheiden, schlagen Wurzeln im Inneren eines jeden Individuums dieser Gruppe und bedingen sein Gefühl der Zugehörigkeit. So wird ein Pole, der schon als kleines Kind an Allerheiligen mit auf den Warschauer Powazki-Friedhof genommen wird, um sich an den Gräbern von Gefallenen über ihren heldenhaften Kampf bei der Verteidigung der Altstadt gegen die übermächtigen Deutschen im Herbst 1944 erzählen zu lassen, ein völlig anderes Verhältnis zu Patriotismus und bewaffnetem Widerstand entwickeln als ein Deutscher, der in der Schule und in den Medien mit der Schuld der Deutschen für die Verbrechen des Dritten Reiches konfrontiert wird.
Nach Meinung von Vamik Volkan verschmilzt die kollektive Identität bereits sehr früh mit der individuellen Psyche des Kindes zu seiner Kern-Identität. Was dem Kind zunächst nur in seinen Außenkontakten begegnet, wird nach einer gewissen Zeit ein Teil seiner selbst: So erfährt der polnische Schüler über die angeblich angeborene Bösartigkeit der Deutschen über die Pflichtlektüre von Henryk Sienkiewicz „Die Kreuzritter“ oder aus den Erzählungen des Großvaters über die Erfahrungen im Zweiten Weltkrieg; später ist die tiefe Skepsis und das Misstrauen gegenüber dem Nachbarn ein Teil seiner individuellen Wahrnehmung geworden. Vergleichbar hört das jüdische Kind zunächst aus den Berichten vieler Überlebender von den Denunzianten und Antisemiten unter den polnischen Nachbarn; später sind die antipolnischen Vorbehalte in seinen eigenen Gefühlshaushalt eingegangen.
Weil Gruppenidentität und Kernidentität des Individuums so stark miteinander verschmelzen, fühlen sich in Zeiten, in denen die Großgruppenidentität gefährdet ist, auch ihre einzelnen Mitglieder teilweise existentiell verunsichert. Dann rückt die jeweilige Gruppe zusammen, aktiviert Symbole, die ihren Zusammenhalt stärken und verdächtigt jedes Mitglied der anderen Gruppe als Träger des Bösen. Es gibt nur noch das alternative Entweder – Oder, dem sich aufgrund des Drucks oder der Zuordnung von außen selbst jene unterliegen, die sich nicht auf eindeutige Zugehörigkeiten festlegen lassen wollen. Diese Einschätzung fand ich zumindest durch die vorliegenden acht Lebensläufe von Polen, Deutschen und Juden, die sich zwischen verschiedenen Nationalitäten bewegten, bestätigt.
Als ich auf Halina Jaszczenko stieß, die sich bei mir meldete, nachdem sie mein Buch über die Internierung der deutschen Zivilisten in Polen nach 1945 („Die Rache der Opfer“) gelesen hatte, glaubte ich noch an einen Einzelfall. Zu außergewöhnlich erschien mir die Geschichte einer Deutschen, die ihren polnischen Aufseher heiratet. Doch nachdem mein Blick für Grenzüberschreitungen geschärft war und ich mit Freunden und Fremden über die Problematik zu reden begann, begegnete ich ihnen plötzlich überall - Personen, die sich „dazwischen“ fühlten, aber in ihrer Ambivalenz nicht von der Umwelt geduldet wurden. Stanislaw Lagun erzählte darüber öffentlich auf einer Veranstaltung in Stettin, über Teodor Müller drehte das polnische Fernsehen einen kurzen Dokumentarfilm, von Romuald Weksler-Waszkinel erfuhr ich über den Kreis der Überlebenden beim Jüdischen Historischen Institut in Warschau, Adam Kostrzewa war der Bekannte eines Bekannten und von Jerzy Hauptmann erzählte mir ein ehemaliger Schulkollege.
Nur im letzten Fall ist einem Protagonisten der Wechsel geglückt: Obwohl in einer deutschen Familie geboren, bekannte sich Jerzy Hauptmann später zur polnischen Nationalität. Heute lebt er in Amerika. Vielleicht deswegen kann er die verschiedenen Aspekte seiner Identität leben, ohne von seiner Umwelt zur Eindeutigkeit gezwungen zu werden. Alle übrigen Protagonisten hingegen, die polnische Jüdin Zoja Perelmuter ebenso wie der deutsche Pole Teodor Müller, stießen auf Widerstände, wenn sie die manchmal unausgesprochene, manchmal bewusst gezogene Grenze zur anderen Nationalität nicht respektierten: Denn bis heute sieht die nationale Minderheit, aus der sie stammten, in den Abtrünnigen Verräter; und diejenigen, zu denen sie sich hingezogen fühlen, verdächtigen sie – bis heute - als fünfte Kolonne: als Feinde in den eigenen Reihen.
Augenblicklich erleben wir zwei Tendenzen. Da sind einerseits die ethnischen Grenzgänger. Sie leben im Schnittpunkt verschiedener Zugehörigkeiten, sind von ihrer ethnischen Herkunft geprägt, aber schöpfen auch aus den Möglichkeiten anderer Nationalitäten und Kulturen. Aus der Sicherheit ihrer Verankerung im Herkunftskollektiv gewinnen sie die Freiheit zur Wahl von Zusätzlichem, Bereicherndem. Sie haben, wie der Journalist G. Pascal Zachary einmal formulierte, „Wurzeln und Flügel“. Oft entwickeln diese Menschen eine besondere Kreativität. Wir erleben dunkelhäutige Moderatoren in den Programmen deutscher Fernsehstationen, Schwarze und Araber in europäischen Fußballmannschaften, chinesische Wissenschaftler in amerikanischen Forschungsinstitutionen, neuerdings auch russische Models auf den Titelseiten westlicher Glanzdruck-Zeitschriften. Doch im wesentlichen ist dies die Welt der Erfolgreichen und die Welt der Amerikaner.
Die Vereinigten Staaten hatten von Anfang an einen anderen Identitätsmythos als die Europäer. Während sich die Nationalstaaten in Europa möglichst entlang von geschlossenen ethnischen Gebieten bildeten, basierte Amerika von Anfang an auf der Multi-Ethnizität. Amerika strebte und strebt nach Konsens auf der Grundlage von Menschenrechten und Brüderlichkeit, um verschiedene Ethnien, Sprachen, Kulturen seiner Staatsbürger zusammenzuhalten; in Europa erfolgte die Bildung von Nationalstaaten hingegen auf der Grundlage von dominanten Kulturen, Religionen und Geschichtsbildern, die noch in den neunziger Jahren des 20. Jahrhunderts - wie im ehemaligen Jugoslawien und Sowjetreich - durch Abspaltung, Abgrenzung, ethnische „Säuberungen“ durchgesetzt wurden.
Und so steht die zweite Tendenz der ersten fundamental entgegen. Die Serben versuchten, einen Nationalstaat mit Gebieten zu realisieren, aus denen die Kroaten, Muslime und Albaner erst vertrieben werden sollten. Die Esten hofften, sich ihrer starken russischen Minderheit entledigen, wenn sie estnische Sprachkenntnisse zur Voraussetzung der Staatsbürgerschaft machten. Und Westeuropa, das sich auf eine supra-nationale Gemeinschaft vorbereitet, sah sich nicht nur mit weiter schwelenden Autonomieforderungen von Korsen oder Basken und gewaltsamen Auseinandersetzungen zwischen protestantischen und katholischen Iren, sondern mit neuen ethnischen Konflikten konfrontiert, die es lange ignoriert hatte.

Nachkriegsdeutschland hat sich gegenüber dem Problem des Nationalbewusstseins lange Zeit ignorant verhalten und hätte die Nation als Ebene kollektiver Identität am liebsten übersprungen. Viele haben auf die Frage nach dem „Wer bist Du?“ mit der Feststellung geantwortet: „Ein Berliner und Europäer.“ Sich als Deutscher zu fühlen, galt und gilt linksliberalen Milieus immer noch als anstößig, als tendenziell nationalistisch. In dieser Geringschätzung oder Verachtung des Nationalen kommt jedoch nicht seine Überwindung zum Ausdruck sondern, als typisch deutsche Reaktion, eine Bindung an ihn, die noch in der Abstoßung besteht.

Es ist illusorisch, von einem schnellen Absterben des Nationalstaates auszugehen. Und es wäre illusorisch und fahrlässig zugleich, wenn wir das „Gleichsein mit den anderen“ nicht als tief verankerten Wunsch des Individuums nach Zugehörigkeit respektierten. Insofern wird das Nebeneinander verschiedener Nationalitäten, Kulturen und Religionen uns noch lange gegenseitigen Respekt und Toleranz abverlangen. Gleichzeitig aber wird die Zahl der Grenzgänger zunehmen, die, verwurzelt in ihrer Herkunftsgruppe, nach Neuem, Bereichernden, nach besseren Lebensbedingungen und sozialem Aufstieg im Fremden streben. Denn beides wird in uns bleiben: das Bedürfnis nach Sicherheit im Bekannten und die Sehnsucht nach der Erweiterung durch das Fremde. Und beides hängt auf scheinbar paradoxe Weise zusammen. Denn je sicherer wir uns fühlen, desto bereitwilliger öffnen wir uns dem Unbekannten.
Die Menschen, die uns in diesem Buch begegnen, stellen einen Mikrokosmos dar, der vielen Lesern sehr fremd erscheinen mag. Lässt man sich aber auf ihre Ängste, ihre Prägungen, ihre Suche nach der eigenen Identität ein, wird man in den Geschichten aus der Vergangenheit gleichzeitig auf die ungelösten Problemen unserer Zukunft gestoßen."

rezensionen

dradio
zeit
taz
taz

literaria

zum verlag
zur veranstaltung