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karl dedecius: ein leben das bücher füllt

Er wird "Brückenbauer" genannt, ein ewig Verliebter, verliebt in polnische Literatur, ein nimmermüder Verbinder von Deutschland und Polen. Er ist ein Meister seiner Kunst, was sich nicht nur in der sprachlichen Präzision äußert, mit der er solche Größen polnischen Schriftstellertums wie Kochanowski, Witkacy, Nalkowska oder Herbert übersetzt, sondern auch in der Empathie, die er in seinem Schaffen aufbringt. Eben diese Fähigkeit, polnische Mentalität und Realität zu empfinden und zu beschreiben, macht das Werk von Karl Dedecius zu mehr als einem einfachen Übersetzen polnischer Literatur ins Deutsche. Karl Dedecius war und ist eine Person, die für die polnische Literatur - und insbesondere für die Poesie - immer großes Interesse, ja Leidenschaft empfand. Er ist im Vorkriegs-Lodz geboren, einer wahrhaft multinationalen und multikulturellen Stadt, die Zweisprachigkeit begleitete ihn von Kindesbeinen an. Er ging auf eine polnische Schule, und wollte in Warschau studieren. Der Kriegsausbruch durchkreuzte seine Pläne - Dedecius wurde in die Wehrmacht eingezogen, und interessanterweise in Frankfurt (Oder) stationiert. Den Krieg erlebt er hautnah - er wird an die Ostfront geschickt, und kommt für 7 Jahre in sowjetische Kriegsgefangenschaft. Dort lernt er Russisch, sowie das Werk russischer Dichter kennen. Ende 1949 kommt Dedecius in die DDR - mit der totalitären Realität konfrontiert flüchtet er 1952 nach Westberlin. Dieser Lebensabschnitt leitet über in seine spätere Tätigkeit als Übersetzer. Anfangs beschäftigt er sich mit wissenschaftlichen Texten und publiziert. Seine Hauptbeschäftigung ist allerdings zu dieser Zeit die Arbeit bei der Versicherungsfirma Allianz. Literarische Übersetzungen sind eher ein privates, wenn auch nicht minder wichtiges Hobby. Der Umbruch kommt in den 1950er Jahren, als Karl Dedecius anfängt, in der Frankfurter Allgemeinen Zeitung zu publizieren. Seitdem werden seine Übersetzungen polnischer Poesie immer mehr wahr genommen. 1958 kann Dedecius einen wahren Erfolg feiern, als das Berliner Wochenblatt "Lyrische Blätter" eine ganze Ausgabe seinen Übersetzungen polnischer Lyrik widmet. Von nun an erreicht Dedecius ein breiteres Publikum - sowohl in Deutschland wie in Polen. Er publiziert regelmäßig, er schreibt über polnische Schriftsteller und deren Werke, er organisiert Treffen mit den bekanntesten polnischen Dichtern. Damit steigt in Deutschland auch das Interesse an dem Werk dieser Dichter und Schriftsteller. Seine zahlreichen Übersetzungen erscheinen auch in vielen Anthologien, Sammlungen und literaturwissenschaftlichen Aufsätzen zur polnischen Lyrik und Kultur. Die Gründung des Polen-Instituts in Darmstadt im Jahre 1979 markiert einen vorläufigen Höhepunkt im Wirken Dedecius'. Das Zentrum wurde mit den Jahren zu einem Ort der polnischen Literatur in Deutschland, und sucht bis heute seinesgleichen in ganz Europa.

Ewa Walczak

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